Es ist geradezu rührend, wie Bundeskanzler und Vizekanzler noch vor Jahreswende „an einem geheimen Ort“ zusammentrafen, um ihre Zinnsoldaten auszupacken. Das herzige Gefecht, das sie auf dem Filzbelag eines Hoteltisches austrugen, stand unter dem Motto
„Je mehr Steuern du erfindest umso mehr Einsparungen hau ich dir um die Ohren“.
Wie schön wäre es doch gewesen, hätte Onkel Tassilo mit seinem „Sparefroh“ dabei sein können. Er und seine Giebelkreuzer hatten uns kleinen Schülern immer gerne erklärt, dass der Weg ins Paradies über die prall gefüllte Sparbüchse führt. Eine Botschaft, die in vielen Jahren sozialdemokratischen Regierens aus den Schulen und aus dem Sinn verschwunden ist.
Kalender 2012
Hätten die beiden Geheimverhandler den Kalender 2012 zu Rate gezogen und Seite 25 des „Format“ (50/2011) gelesen, wäre ihnen klar jenes Einsparungspotential vor Augen gestanden, das sämtliche Einsparungskleckereien in den ewigen Schatten stellt: Österreichs Feiertage.
Die Griechen, dem Ausruhen unter dem Olivenbaum traditionell sehr zugetan, machen seltener feiertagsblau als wir! Der Italiener, dem gerade hierzulande kein besonders inniges Verhältnis zur Arbeit nachgesagt wird, schaut neidvoll in Richtung Alpen, wo man es in Sachen Feiertagen krachen lässt wie in keinem anderen Staat der Welt! Wir sind nicht nur Kaiser, wir sind Weltmeister! Jedenfalls im Nicht-Arbeiten.
Einheitsfront rot/purpur
Hätte Onkel Tassilo den beiden „Geheimverhandlern“ und Verwaltern eines wuchtigen Budgetdefizits zuflüstern können, doch beispielsweise zwei der 12 (!!!!) Feiertage 2012 einzusparen, wäre der eine rot und der andere purpur angelaufen. Vor Faymanns geistigem Auge hätte sich der zu erwartende machtvolle Protestzug der Gewerkschaften (selbstverständlich verbunden mit einem Generalstreik) aufgebaut. Alarmstufe rot bis dunkelrot. Spindelegger, sich eilig bekreuzigend, wäre der Kardinal persönlich im unheilen Purpur der Fastenzeit erschienen, um ihm zumindest die Hölle anzudrohen. Bei unmittelbarem Vollzug. Somit wurde einvernehmlich darauf verzichtet, zwei Mal rund
zwei Milliarden Euro (= vier Milliarden Euro) einzusparen. Das muss uns das gute Verhältnis zu zwei Großorganisationen schon wert sein, denen die Mitglieder zu Tausenden davonlaufen.
O sole mio!
Was hier kleinkariert als effektive Budgetsanierungsmaßnahme vorgeschlagen wird ist gesamteuropäisch natürlich Nonsens. Niemand weiss dies besser als die Betonköpfe von Gewerkschaft und Kirche. Feiertage dienen nicht nur der geistlichen Sammlung, sie sind ein Gebot der gesamteuropäischen Solidarität!

Wer, bitteschön, füllt denn die Hotels von Jesolo und Lignano zu Christi Himmelfahrt und Fronleichnam? Na wir, die Feiertagskaiser!
Damit in den österreichischen Geschäften im Mai und Juni die Konten nicht übergehen, trägt der österreichische Werktätige, weit entfernt von seinem Arbeitsplatz, am Feiertag und am „Fenstertag“ seine Euros hinein in die italienische Ökonomie – Calzarture, Pizza und Spritz Aperol. Der Herr sei mit Euch! Grazie, buon giorno!
Wenn seine Majestät, der Feiertagskaiser, dann bereits ziemlich betrunken an einer italienischen Bar lehnt und vom unvorsichtigen Kellner gefragt wird, warum wir Nordländer eigentlich so oft frei haben, dann spielt der gute Mann mit dem Feuer. Seine Majestät, der Feiertagskaiser, wird dann grundsätzlich: „Mit jemandem, der nicht einmal fähig war, den Berlusconi daran zu hindern, den Pfingstmontag abzuschaffen, red i ned.“ Zieht eine Zigarette heraus und raucht sie sich genüsslich an. Verbot hin, Verbot her. Die Carabinieri kommen, der Barmann zahlt 3.000 Euro. Seine Majestät, der Feiertagskaiser, wankt beleidigt hinaus. „Ollas Trottln“.
Dietmar Dworschak

